Da kamen Sterndeuter aus dem Osten
Bernd Reiser macht sich Gedanken über jene Sterne, die Mitten in der Dunkelheit des Alltags helfen um den eigenen Lebensweg zu finden und nimmt sich die Sterndeuter als Vorbild. Er ist Referent für Mitarbeiterseelsorge bei der Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung in Sindelfingen.
Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war,
siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten:
Matthäusevangelium 2,1
Macht Ihnen die dunkle Jahreszeit auch zu schaffen? Wenn der Tag mit Dunkelheit beginnt und es am Nachmittag wieder dunkel wird? Mir macht diese Zeit oft sehr zu schaffen. Und doch hat diese Zeit ihren eigenen Reiz, weil man die Sterne am Himmel beobachten kann. Wenn der Himmel sternenklar ist, ja dann wird er zu einem einzigen Spektakel von Lichtern. Nahe und ferne, große und kleine Lichter kann ich entdecken, die mich in ihren Bann ziehen. Eine unendliche Weite öffnet sich, die manchmal chaotisch auf mich wirkt.
Dieses stille Chaos erinnert mich an so manche eher laute und aufreibende Situation, der ich in meinem Alltag begegne, ja regelrecht ausgesetzt bin. Manchmal scheinen diese Situationen so unübersichtlich zu sein, dass ich mich nach einem deutlichen Zeichen wie einen Stern sehne, von dem ich mir neue Orientierung verspreche. Etwas, an dem ich mich neu ausrichten, meine Richtung bestimmen und immer wieder überprüfen kann. Ja, manches Mal wäre ich auch gerne wie die Sterndeuter ein Gelehrter, der die Zeichen des Alltags richtig interpretieren kann.
Die Sterndeuter aus dem Osten, von der die Bibel berichtet, folgten ihrem Stern, der sie nach Betlehem zur Krippe führte. Am Ziel angekommen, da schauten sie in das kleine Gesicht von dem, der Immanuel – das heißt „Gott mit uns“ – genannt wird.
An diesen Sterndeutern faszinieren mich drei Aspekte: Die Achtsamkeit, mit der sie die kleinen und großen Zeichen am Himmel wahrnehmen und zu deuten versuchen. Der Mut, sich auf einen neuen Weg aufzumachen, ohne das Ziel genau zu kennen. Und letztlich fasziniert mich das Vertrauen, dass dieser Weg, den ich nicht kenne, an ein gutes Ziel führen wird.
Vielleicht müssen auch wir immer wieder in das Sternedeuten unseres Alltags einüben. Achtsam die kleinen und großen Spuren am Wegesrand wahrnehmen. Immer wieder auch den Mut für neue Wege mit unbekanntem Ziel aufbringen, in dem Vertrauen, dass Gott mit uns auf unseren Wegen ist und uns neue Orientierung schenken möchte.
Bernd Reiser
Referent für Mitarbeiterseelsorge bei der Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung in Sindelfingen
Diözese Rottenburg-Stuttgart
